Konzertgalerie & Bagnopark

Foto: Verkehrsverein Steinfurt

Ausflugsziele

Im 18. Jh. als Lustgarten und exotische Gartenlandschaft vom Grafen zu Bentheim-Steinfurt in Auftrag gegeben. Zu seiner Blütezeit verfügte der Park über aufwändige und exotische Elemente wie chinesisches Palais, Fontäne und Terrassenkaskaden.

Die 1774 erbaute Konzertgalerie gilt als ältester freistehender Konzertsaal Europas, gebaut nach Vorbild des Versailler Gartensaals "Grand Trianon". 1997 Wiedereröffnung als Konzertgalerie nach aufwändigen Rekonstruktionen der Stuckdekoration im "Louis XIV-Stil". Heute beliebte und exklusive Konzertgalerie für internationale Stars.

Heute ist das Bagno ein etwa 421 Hektar großes Wald- und Wiesengebiet zwischen den Stadtteilen Borghorst und Burgsteinfurt. Damit ist es eines der größten Naherholungsgebiete weit und breit. Es bietet die Möglichkeit spazieren zu gehen, Rad zu fahren, Sport zu treiben oder auf dem See eine Rundfahrt mit einem gemieteten Ruderboot zu unternehmen. Geschichtsträchtige Stellen können besucht, die Natur beobachtet werden. Eine Gaststätte sorgt für das leibliche Wohl. Das Bagno ist ein eingetragenes Gartendenkmal.

Der Bagnopark in Burgsteinfurt spielte im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert innerhalb der kleinen Residenzstadt eine wichtige Rolle. Das heute nur noch in Teilen als planvoll angelegte Parkanlage erkennbare Bagno entstand ab 1765 südöstlich der Wasserburg der Grafen zu Bentheim-Steinfurt. Seinen Namen verdankt es einem Badehaus (ital.: il bagno), das ursprünglich mit ein Kernstück der Anlage bildete. Das älteste bis heute erhaltene Gebäude im Bagno ist die Konzertgalerie. Sie wurde 1773/74 unter der Leitung des gräflichen Oberforstmeisters Johann Joest von Loen, einem entfernten Verwandten des Geheimrats Goethes, erstellt.

Vor das Bauwerk legte man eine Gartenachse mit einer Fontäne, die von einem Wasserreservoir vom nahen Buchenberg aus gespeist wurde. In unmittelbarer Nähe befanden sich neben der Sommerresidenz (Chinesiches Palais) des Grafen noch der Speisesaal, bekannt als Kiosk und die Küche. Somit wurde der Bereich um die Konzertgalerie zum Hauptfestplatz der Parkanlage. Das Bauwerk steht in der Nachfolge französischer und italienischer Galeriebauten, für die ein langgestreckter, schmaler Grundriss und eine Reihe regelmäßig angeordneter Fenstertüren an der Langseite bezeichnend ist. Gleichzeitig lehnt sich das Bauwerk in Grundriß und Ausstattung an den klassischen Typ des Gartensaals an. So gehen hier diese beiden Architekturtypen eine seltene Verbindung ein. Die Steinfurter Konzertgalerie ist als eingeschossiger, rechteckiger Baukörper konzipiert. Ursprünglich war statt der attikaähnlichen Mauer über dem Gesims eine Balustrade (Geländer mit Säulen) mit 12 Figuren und 12 Vasen angebracht. Je sechs Fenstertüren durchbrechen in regelmäßiger Folge die beiden Längswände, die Querseiten bleiben dagegen geschlossen. Eine umlaufende Treppe aus drei Stufen führt zu den mit Werkstein gefassten Türen. Das Gesims zeigt eine antikisierende Gestaltung mit Architrav, Fries, Zahnschnitt und Kranzgesims auf. Die Gebäudeecken werden durch Quaderputz betont. Sonst ist die Fassade heute ohne jeden Schmuck.

Ein Kupferstich von 1787 gibt den Pfeilern zwischen den Fenstertüren je ein paar ionische Pilaster wieder und zeigt im Gesimsbereich reiches Stuckdekor auf, doch ist nicht sicher überliefert, dass die Fassade tatsächlich so ausgestattet war. Als Vorbild für die äußere Gestaltung der Konzertgalerie kann unmittelbar die Galerie des Schlosses Grand Trianon im Park von Versailles herangezogen werden, die 1687/88 von Jules Hardouin-Mansart für Ludwig XIV erbaut wurde. Auch sie wurde für höfische Konzerte genutzt. Bei der Ausformung lehnt man sich jedoch nicht an das Konzept des Grand Trianon an, sondern gestaltet es ganz "modern" in Formen des französischen Frühklassizismus, wobei durchaus noch Rokokoelemente mit eingebunden werden. Die Pfeiler sind mit dunklen Stuckmarmortafeln belegt (Kunstmarmor aus gefärbter Stuckmasse). Darin hat man schmale, hochrechteckige Spiegel eingelassen. Umgeben sind diese Tafeln von Stuckdekor, wobei Blumengirlanden und Blattranken bevorzugte Motive darstellen. Die Querseiten werden durch halbrunde, grottenartige Nischen betont, reich ausgeschmückt mit kunstvoll kombinierten natürlichen Materialien wie Muscheln und Schnecken, aber auch Mineralien und Kiesel. Seitlich neben den Grotten sind Stuckbilder, sog. Trophäen angebracht, die Malerutensilien, Bildhauerwerkzeuge, Gartengeräte und bevorzugt Musikinstrumente darstellen und so das intensive Interesse des Grafen für die bildende Kunst, die Gartenkunst, die Wasserkunst und besonders die Musik zum Thema machen. Als Vorbilder dienten zeitgenössische Vorlagen französischer Architekten, allen voran die des Architekten Jean Charles Delafosse, der seine Entwürfe in großer Zahl publizierte.

 
 
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